Konzept
Die grundlegende städtebauliche Idee besteht in der Arrondierung von drei Gebäudekörpern
um einen Platz, der zur Spree und nach Süden ausgerichtet ist. Dieser Platz bildet den
Bezugspunkt des neuen Quartiers, er wird ein neuer Ort im Stadtgefüge. Zudem erfolgt
durch die Anlage von zwei auf den Platz führenden Straßenräumen eine städtebauliche
Verzahnung mit der Spree und der umliegenden Bebauung, so entwickeln sich
Sichtbeziehungen von der Spree zu den S-Bahn-Bögen und der historischen, ehemaligen
Werkstattbebauung hinter dem Kesselhaus.
Die drei städtischen Gebäudeblöcke realisieren den Flächenbedarf der drei Nutzungen, der
Wohnungsbau ist dabei noch einmal in einzelne Parzellen unterteilt. Es entsteht eine
vielgestaltige Gebäudeabwicklung an der Spree, die die beiden Bestandsbauten am
Schiffbauerdamm integriert und einen bedeutenden, durchlaufenden Stadtprospekt in der
Abfolge von Bundestagsbauten, öffentlichen Plätzen, Wohnungsbau und Bürogebäuden
schafft. Durch die durchgängige Ausbildung von Erdgeschossflächen für gastronomische,
soziale und kulturelle Zwecke entlang des Schiffbauerdamms erhält das neue Quartier eine
urbane publikumswirksame Qualität zur Spree.
Gleichzeitig werden durch die Sichtbezüge zum S-Bahn-Bögen und der Werkstattbebauung
diese bisher im Hintergrund stehenden Bereiche aufgewertet, eine Revitalisierung in den S-
Bahnbögen durch Gastronomie ist so wieder möglich.
Städtebau
Die drei städtischen Baublöcke, die sich um den neuen Platz gruppieren, nehmen die drei
Nutzungen der neuen Bebauung auf. Anschließend an den Bestandsbau Schiffbauerdamm
12, direkt an der Stadtbahn erhält die ver.di Vermögensverwaltung ihr neues Bürogebäude.
Weiter entlang der Spree befinden sich in einem den Bestandsbau Schiffbauerdamm 19
umfassenden Baublock die Wohnnutzungen. Zentral auf den Platz zur Spree ausgerichtet
wird der Raum zur Stadtbahn und zu den Bundestagsnutzungen an der Luisenstraße von
einem dritten Baublock mit den Bundestagsnutzungen eingenommen.
Dadurch ist es möglich, am gesamten Spreeufer öffentliche Nutzungen und Gastronomie, in
Weiterführung des Schiffbauerdamms von der Weidendammer Brücke kommend,
vorzusehen und eine belebte und touristisch attraktive Uferbebauung zu realisieren.
Gleichzeitig erhält die Bundestagsbebauung einen repräsentativen Vorbereich und eine
besondere Adresse an der Spree.
Durch die Ausrichtung der Quartiersstraßenräume werden Blickbezüge auf den
Eingangsbereich für die Nutzungen in den historischen Stadtbahnbögen und auf die
denkmalgeschützten Gebäude des ehemaligen Maschinen und Werkstattgebäude
geschaffen.
An der Spree werden die Traufhöhen von 22m respektiert und nicht überschritten. Die
Gebäude erhalten Staffelgeschosse. Die Bundestagsbebauung respektiert ebenfalls die
Traufhöhe von 22m, erhält allerdings 2 Staffelgeschosse, die perspektivisch die Bebauung
am Schiffbauerdamm nicht überragt und die Höhen des neuen benachbarten
Bundestagsgebäudes aufnimmt.
Durch die Ausbildung von separaten Baublöcken für die einzelnen Nutzungen ist eine
Realisierbarkeit in Teilabschnitten möglich. Darüber hinaus sind auch die
Sicherheitstechnischen Anforderungen für die Bundesbauten aufgrund der strikten Trennung
der Nutzungen besonders gut umsetzbar.
Gebäudeplanung
Bundestagsnutzung
Das Gebäude für die Flächenbedarfe des Deutschen Bundestages erhält sechs Geschosse
und zwei Staffelgeschosse mit zwei Innenhöfen. Es orientiert sich damit in der
Höhenentwicklung an dem im Bau befindlichen Neubau an der Luisenstraße. Durch die
Ausrichtung auf den Quartiersplatz erhält das Gebäude eine repräsentative Adresse mit
Haupteingang. Der Sitzungssaal befindet sich hier mit Spreeblick in den Staffelschossen. Im
Erdgeschoss befinden sich Eingangsbereich und Mensa sowie weitere Sitzungsbereiche.
Der zur S-Bahn ausgerichtete Gebäudeteil erhält einen entsprechenden Schallschutz. Dieser
Bereich ist zudem einhüftig geplant, so dass die Büronutzungen in den Innenhof zeigen.
Die Höfe erhalten unterschiedliche Gestaltungen, der südliche Hof, wird als begrünter offener
Innenhof ausgeführt, der nördliche Innenhof erhält eine Überdachung, so das Mensa und
andere Erdgeschossfunktionen diesen Bereich mit nutzen können.
Die Tiefgarage wird an das UES im 2. UG angeschlossen, eine Überbauung dieser Fläche ist
nicht vorgesehen.
Bürogebäude für die ver.di Vermögensverwaltung
Das Gebäude für die Flächenbedarfe der ver.di Vermögensverwaltung erhält sechs
Geschosse und ein Staffelgeschoss mit einem Innenhof. Es passt sich damit an die
Höhenentwicklung am Spreeufer entlang des Schiffbauerdamms an. Das Gebäude erhält
ebenfalls eine repräsentative Adresse mit Haupteingang am Quartiersplatz. Im Erdgeschoss
befinden sich neben dem Eingangsbereich öffentliche Nutzungen mit Gastronomie an der
Spree. Der zur S-Bahn ausgerichtete Gebäudeteil erhält einen entsprechenden Schallschutz.
Der Tauschrahmen von 3740 m2 Grundstücksgröße wird dabei eingehalten, der Zuschnitt
des Grundstücks zugunsten des Städtebaus geringfügig angepasst.
Wohnungsbau
Der Wohnungsbau umschließt das Bestandsgebäude Schiffbauerdamm 19. Der
Bestandsbau Schiffbauerdamm 17 daneben wird nicht erhalten. Die Bebauung ist in einzelne
Parzellen aufgegliedert. Sie erhält sieben Geschosse und ein Staffelgeschoss, die sich um
einen Innenhof gruppiert und die geforderten Wohnungen aufnimmt. Im Erdgeschoss
befinden sich öffentliche Nutzungen mit Gastronomie. An der Spree erstrecken sich die
öffentlichen Nutzungen über ein Mezzaningeschoss über zwei Geschosse. Der kleine
Seitenflügel des Bestandsgebäudes wird zugunsten eines besser belichteten Innenhofs
entfernt.
S-Bahn-Bögen
Die S-Bahn-Bögen werden über einen kleinen Platz als Aufweitung der Planstraße an der
Stadtbahn mit dem Quartiersplatz verbunden. Hier könnten großflächigere Nutzungen
untergebracht werden wie z.B. soziale und kulturelle Nutzungen, Gastronomie oder
Coworking-Spaces. Allerdings sind aufgrund der baulichen Struktur nur enge Verbindungen
zwischen den einzelnen Stadtbahnbögen vorhanden, die auch nicht verändert werden
dürfen, da sonst in die statische Struktur des Brückenbauwerks eingegriffen werden würde.
Nachhaltigkeit
Das neue Quartier wird nach den aktuellen Kriterien der Nachhaltigkeit sowohl in den
Bauweisen, wie auch in der Bewirtschaftung errichtet. So wird angestrebt, die Neubauten in
einer Mischbauweise zu errichten um ökologische, ökonomische, nachhaltige Aspekte mit
den Anforderungen aus dem Brandschutz und Tragwerk miteinander zu verbinden.
Sämtliche Dächer werden als Retensionsgründächer mit kombinierter PV-Anlage ausgeführt.
Gestaltungskonzept & Verzahnung Architektur mit Freiraum
Gestalterische Leitidee und Zielsetzung
Das vorliegende Freiraumkonzept basiert auf der Leitlinie „weicher Kern – harte Schale“. Ziel
ist die Symbiose aus urbaner Dichte und hoher Freiraumqualität. Während die „harte Schale“
durch robuste Materialien, klare Raumkanten und die Abwicklung infrastruktureller
Funktionen die städtebauliche Ordnung sichert, fungiert der „weiche Kern“ als ökologische
und soziale Ausgleichsfläche. Hier stehen Durchgrünung, Aufenthaltsqualität und
Nutzungsoffenheit im Vordergrund.
Freiraumsequenzen und Platzabfolgen
Das Areal gliedert sich in drei funktionale Teilbereiche:
Spreeforum: Der geplante Stadtplatz wird in Richtung des Bundestagsgebäudes erweitert.
Durch die Ausbildung einer markanten Ecksituation und die Integration gastronomischer
Angebote wird dieser Bereich als aktiver Stadtraum etabliert.
Spreeplatz: Er bildet die zentrale, adressbildende Mitte des Quartiers. Als konsumfreier,
multifunktionaler Raum verknüpft er die Nutzungen Wohnen, Arbeiten und Gastronomie. Die
ökologische Wertigkeit wird durch wasserdurchlässige Pflasterbeläge,
Regenwasserversickerung und eine standortgerechte Bepflanzung zur Verbesserung des
Mikroklimas sichergestellt.
Mobility Hub: In gestalterischer Anlehnung an das Spreeforum werden hier
Mobilitätsangebote wie E-Ladesäulen sowie barrierefreie Pkw- und Fahrradstellplätze
konzentriert.
Mobilitätskonzept und Erschließung
Die Erschließung folgt dem Prinzip des „Shared Space“. Ein Belagswechsel sowie
Bodenschwellen signalisieren die Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer, wobei dem
Fuß- und Radverkehr (Umweltverbund) Vorrang eingeräumt wird.
Uferanbindung: Der Schiffbauerdamm wird über Sitzstufen und eine Promenade an den
Wasserraum angebunden. Die Spreepromenade wird durch eine Einbahnstraßen-Regelung
verkehrsberuhigt, um Raum für Flanierende und Außengastronomie zu schaffen.
Verbindungswege: Die Gasse zwischen Bundestagsgebäude und Wohnbebauung dient als
verschatteter Rückzugs- und Lieferraum. Wegeverbindungen unter der Bahnanlage werden
durch einheitliche Beläge gestalterisch aufgewertet und für überdachte
Fahrradabstellanlagen genutzt.
Sicherheit: Die Sicherheitsanforderungen des Bundestages werden durch technisch
gesicherte Zufahrten und Polleranlagen in den Übergangsbereichen zur Planstraße und zum
Schiffbauerdamm vollumfänglich berücksichtigt.
Stadtbildprägende Bedeutung und soziale Nutzung
Das Projekt leistet einen wesentlichen Beitrag zur Belebung des Regierungsviertels. Durch
die Mischung aus Wohnen, Arbeiten und öffentlichem Aufenthalt entsteht eine urbane
Lebendigkeit.
River Walk: Die Durchwegung zwischen Friedrichstraße und Bundestag wird durch
Gastronomieflächen in den Erdgeschosszonen und die direkte Wasserlage (Spreetreppen,
tiefergelegte Promenade) attraktiviert.
Freizeitwert: Ergänzt wird das Angebot durch einen halböffentlichen Spielplatz im Innenhof
der Wohnanlage sowie Spielgeräte in der Parlamentsgasse.
Das Konzept schafft somit ein zusammenhängendes Freiraum-Ensemble, das sowohl den
funktionalen Anforderungen der Infrastruktur als auch dem Bedürfnis nach hoher
Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum gerecht wird.